Kampa Wilhelmy

wahlkampfEin auffälliger Straßenwahlkampf, ein auffälliges Wahlplakat und die Unterstützung von fast fünfzig Helfern waren die entscheidenden Faktoren für den Erfolg. Ich wollte keine langweilige, nichtssagende Krawattenträgerkampagne, sondern ich setzte auf Authentizität, Herz blut und Transparenz.

In der Partei sorgte dies wiederum für Auseinandersetzungen. Insbesondere das Werben mit meinem Beruf als Schornsteinfeger hat einigen wenigen übel aufgestoßen, weil ich ihn ja nicht mehr ausübte. Meinen Meisterbrief oder meine fünfzehnjährige Berufstätigkeit wollten die Kritiker nicht gelten lassen. Eine Genossin, die selbst auch Kandidatin war, forderte sogar, dass meine Plakate abgehängt werden sollten.

Wenn ich in Schornsteinfegermontur vor dem Rathaus meinen Stand aufbaute, den SPD-Schirm aufspannte und die Schornsteinfegerfigürchen auf dem Tisch aufstellte, sorgte das schnell für Aufmerksamkeit. Kinder kamen neugierig angelaufen, die Eltern im Schlepptau, mit denen ich so ins Gespräch kam. Ich erregte großes Interesse, der benachbarte CDU-Stand war schnell verwaist und dort bissen sie vor Ärger fast in die Tischkante. Und mein Plakat war ein richtiger Hingucker.

Ironischerweise wurde mir vom politischen Gegner aber fast mehr Anerkennung entgegengebracht als von der eigenen Parteispitze. CDU-Funktionäre haben mir zugerufen: „Sie sind zwar in der falschen Partei, Wilhelmy, ich wähle Sie aber trotzdem.“ Dies ist bei einer Kommunalwahl durch Kumulieren und Panaschieren ja möglich. Und über den hessischen DGB-Landesvorsitzenden Stefan Körzell erfuhr ich den Kommentar eines CDU-Staatssekretärs, dem ebenfalls „der pfiffige Gewerkschafter“ aufgefallen war.

Ich spürte das Interesse und den großen Zuspruch der Menschen und dieser Erfolg euphorisierte mich geradezu, wenn ganze Menschentrauben vom CDU-Stand zu mir abwanderten.

Ohne Antje, meine Partnerin, hätte ich den Ansturm oft gar nicht bewältigen können und sie ließ sich von meiner Begeisterung anstecken…

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