Le BerchWerch

In Notweiler gibt es ein altes Bergwerk, das schon lange nicht mehr in Betrieb, sondern ein reines Schaubergwerk ist. Frag mich nicht, was dort einstmals abgebaut wurde. Jedenfalls wollten Ulrike und ich uns das mal anschauen. Als wir hinkamen, war die letzte Führung gerade beendet, wir waren die einzigen neuen Besucher, und der Führer hatte eine Pause nötig. Es gab eine kleine Restauration, in der der Führer, Aufseher und Hausmeister offensichtlich mit seiner Familie hauste, denn außer seiner Frau, die uns Getränke servierte, gab es noch eine kleine Tochter, die mit ihren Schulaufgaben zu kämpfen hatte. Ohne es zu wollen wurden wir in den Familienalltag hineingezogen mit Hausaufgaben, Haushaltspflichten und Hausmeisterei. Das Verhältnis war entspannt, nahezu persönlich. Nur irgendwann hatten wir ausgetrunken, der Führer hatte sich erholt. Er bat uns nach draußen an den Schalter zu kommen. Nun, wir wollten ja rein ins Bergwerk.

Wir also raus zum Schalter. Dort sitzt besagter Führer, mit dem wir eben noch angeregt geplauscht hatten, rückt sich die Kappe auf der Stirn zurecht, scheint uns noch nie gesehen zu haben und fragt: ?Sie wünschen?? Überrascht melden wir unser Begehr, und der Hausmeister, Führer etc. ist nur äußerlich wiederzuerkennen. Förmlich kassiert er den Eintrittspreis, händigt uns Helme aus und bittet und um noch einen Moment Geduld auf etwaige Nachzügler. Es kommt natürlich niemand mehr (Mein Gott, wir sind in Notweiler/Pfalz) und wir treffen uns schließlich am Bergwerkseingang.

?Dieses ist der Stollenmund?? Routiniert spult der Führer seine schon hundertemal gesagten Sprüchlein ab, eingeübt auf einen bestimmten Rederhythmus und die immerselben Worte. Wir gehen hinein in den Stollen, und dann Ulrike: ?Ich weiß nicht, ob ich das schaffe. Es ist so eng hier. Ich leide unter Platzangst.? Der Führer ist verständnisvoll, hat ja auch niemand anderes außer uns beiden zu versorgen. Er erkundigt sich aufrichtig nach Ulrikes Befindlichkeit, macht sich ernstlich Sorgen, erwägt kurz einen Abbruch der Führung, um dann eine forcierte Version derselben zu empfehlen. Er wechselt wieder die Rollen vom mitfühlenden Mitmenschen zum unerbittlichen Informationsträger und was wir dann im Folgenden geboten bekommen ist ein Schnelldurchlauf an Bergwerkskunde und der Aspekt liegt in diesem Falle auf schnell, denn weil er eben nicht auf Mitteilenswertes und Auswendiggelerntes verzichten will oder kann, muss er eben doppelt so schnell reden und die platzangstkranke Ulrike in verdoppeltem Tempo hinter sich herziehen. Aber: Wenn man es sich hätte behalten können, wüsste man jetzt alles über das Bergwerk Notweiler in der Hälfte der Zeit.

Sehr viel später erfuhr ich, dass eine kleine Zollstation in der Nachbarschaft Notweilers von der Baader/Meinhof- Gang zum unbemerkten Grenzübertritt genutzt wurde. Historische Stätten allüberall.

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