Zahlenspiele auf See

bild_u5. November 1992 – Pazifik

Der Name dieses Ozeans kann nur als Beschwörung gedacht sein. Unter friedlich verstehe ich etwas anderes. Seit Tagen liege ich in meiner Koje. Wenn ich aus dem Bullauge unserer Kabine schaue, sehe ich die gigantische Ladefläche unseres Frachters. Unzählige Container türmen sich dort und geben bei diesem Wellengang ein entsetzliches Konzert. Auf dem Container direkt vor unserem Fenster prangt ein Totenkopf – mir ist übel. Ulrike schafft es noch manchmal, sich zur Brücke zu schleppen, um dort die neuesten Wettervorhersagen und die voraussichtliche Ankunft in Tokio zu erfragen.

bild20Zehn Tage soll die Überfahrt dauern. Erschwert wird die genaue Berechnung der Reisezeit durch diverse Taifune, die derzeit vor Japans Küste toben und der Sicherheit wegen umfahren werden müssen. Außer der 16-köpfigen Besatzung sind noch weitere sechs Passagiere an Bord.

Sieben Tage sind wir bereits auf See. Seit unserem Besuch beim 1. Ingenieur im Maschinenraum läßt mich das Zahlenspiel, das er uns anhand des Bordcomputers erläuterte, nicht mehr in Ruhe. Zirka 31 Grad darf sich das Schiff laut Computer neigen, ansonsten verliert es seine stabile Lage und kippt. Ich habe keine Ahnung, von wo aus diese 31 Grad gemessen werden. Meine Koje neigt sich bei hohem Wellengang in einem verdächtig steilem Winkel.

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