Japanische Wortpaläste

13. November 1992 – 24 Stunden Nippon

bild9Ich fühle mich reich beschenkt. Für 24 Stunden genieße ich festen Boden unter den Füßen. Japanische Grenzschützer haben uns die „aufgehende Sonne“ in den Pass gestempelt. Trotz Taifun ist uns die Ankunft einen Tag vor der geplanten Weiterreise nach Singapur geglückt.

bild21Statt der erhofften „Teegartenlandschaft“ begleitet uns eine nahtlose Betonwüste auf dem Weg von der Hafenstadt Yokohama nach Tokio.

Die drei Geschäftsstunden, die nach Ankunft im Hotel noch bleiben, sind fest verplant. Wir üben uns jetzt in Gebärdensprache. Nachdem Ulrikes Passbilder entwickelt sind, hetzen wir zum chinesischen Konsulat, um ihr noch fehlendes Visum zu beantragen. Gegen viel Bares gibt es das sogar sofort. Am anderen Ende der Stadt überreicht uns das zuständige Reisebüro die Tickets für die nächste Etappe. Denke ich an Tokio, denke ich an die weißen Spitzenkissen der Taxis…

Konnichiwa – Guten Tag

20. November 1992 – Das süße Leben

bild_nbild22Kaum zu glauben, daß ich nach dieser Höllenfahrt über den Pazifik freiwillig an Bord eines weiteren Schiffes gehe. Mit 16 Knoten geht es gen Singapur. Die See ist ruhig. Wenn ich nicht im Liegestuhl an Deck unseres japanischen Luxusliners liege, besuche ich die Unterrichtsstunden des Bordmagiers und übe mich im Zaubern. Ulrike schließt sich einer Tanzgruppe an. Wir genießen hier einen überraschenden Sonderstatus. Es ist ungewöhnlich, so sagt man uns, zwei Europöerinnen an Bord begrüßen zu dürfen. Die Crew ist rührend um uns bemüht. Eine eigens für uns abgestellte Dolmetscherin gibt den japanischen Wortpalästen einen Sinn.

bild_sDer Küchenchef persönlich weiht uns ein in die Geheimnisse der Sushi-Küche und lehrt uns das richtige Essen des rohen Fischs. Nachdem der Kapitön bei einem „geschickten Manöver“ unseren Familienstand in Erfahrung gebracht hat, hagelt es ungeniert Einladungen der mönnlichen Besatzung. Mitreisende Passagiere jagen mit Kameraausrüstung hinter uns her, um die deutschen Exoten für das Urlaubsalbum abzulichten. Erst am letzten Tag gelingt es mir endlich, zum Abschied nicht automatisch die Hand zu reichen. Ich verbeuge mich.

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