Die Weite des Ozeans

28. September 1992 – Das Traumschiff

bild16Endlich – wir verlassen den europäischen Kontinent. Ein deutscher Luxusliner soll uns in den nächsten zwei Wochen über den Atlantik nach Montreal bringen. Dem verwirrten Kabinensteward reichen wir noch am ersten Abend zwei prallgefüllte Plastiktüten übelriechender Schmutzwäsche. Die feste Tischordnung sieht ein älteres Ehepaar als Tischnachbarn vor. Die hämischen Seitenblicke der mitreisenden Passagiere an den umliegenden Tischen entgehen uns nicht. Sie scheinen erleichtert, nicht in gleicher Situation zu sein und bei einem Altersunterschied von geschätzten 40 Jahren gemeinsame und unterhaltsame Tischthemen finden zu müssen. Doch schon bald sollen erste Beschwerden eingehen und unser Tischsteward weist unsere Vierergruppe dezent darauf hin, doch bitte leiser zu lachen. Auch der Crew geben wir Rätsel auf. Nachdem selbst die Passagierliste keinen Aufschluß über unsere Position gegeben hat, treten sie persönlich an uns heran. Pures Mitleid veranlaßt sie, die ungewöhnlich jungen Gäste in ihre ebenfalls jüngeren Kreise aufzunehmen. Sie weihen uns ein, in die Geheimnisse des Schiffrumpfes. Fortan leisten wir ihnen des öfteren Gesellschaft bei ihren allabendlich zelebrierten Duty-free Parties im Reich der Bullaugen.

Auf dem Weg durch den St. Lorenz-Strom – unserer vorerst letzten Schiffsetappe – genießen wir die beeindruckende Szenerie des Indian Summer.

bild12

Die leuchtenden Herbstfarben verwandeln die Küste in eine Märchenlandschaft. Der Gedanke, dieses schwimmende Luxushotel bald verlassen zu müssen, stimmt uns traurig. Unser Bad hängt voll von frisch gewaschener Wäsche. Den Grenz- und Zollbeamten in Montreal begegnen wir porentief rein.

Der bestechende Charme der französisch sprechenden Metropole Kanadas erleichtert uns das Abschiednehmen vom zweiwöchigen Faulenzen. Das Schienennetz hat uns wieder.

Weiterlesen: nächstes Kapitel

Die Kommentare wurden geschlossen