Kindergedanken

Es war in meiner alten Heimat, dem Kaiserwald. Ich war fünf Jahre alt und saß auf dem Schuppendach unseres Nachbarn. Meine Kinderzither lag neben mir. Der Schuppen muss an das Wohnhaus angebaut gewesen sein, denn ich lehnte an einer hohen Wand und blinzelte in die Frühlingssonne. Gedanken schwirrten durch meinen Kopf.

Ich wollte mir eine Geschichte aus meinem Leben merken, eine schöne und besondere sollte es sein. Ich suchte in meiner Erinnerung. Es musste im letzten Sommer gewesen sein, 1941 also. Ich lag im hohen Gras hinter unserem Haus. Um mich herum standen hohe Blumen und die Hitze ließ die Luft vibrieren. Über mir hörte ich das Summen der Bienen.

Eingebunden in meine kleine Welt schien ich eins zu werden mit Gras, Blumen, Sonne und Bienen. War dies eine besondere Geschichte? Eine, die es wert war, wenn ich groß bin, ins Gedächtnis zurückgerufen zu werden?

Da war noch so eine Erinnerung. Ich saß in der Stube meine Großmutter. Sie saß vor ihrem großen Eisenofen und schälte sich einen Apfel. Ich nahm die Schale Streifen für Streifen, legte sie auf die Ofenplatte und genoß es zuzusehen, wie sie sich rollten.

War dies eine wertvolle Geschichte für die Zukunft?
So saß ich wohl noch eine Weile auf dem Schuppendach, doch dann lockte mich etwas anderes und ich beschloss: ich werde mir für meine späteres Leben merken, wie ich mit fünf Jahren auf dem Schuppendach saß und über mein Leben nachgedacht habe…

Autorin:

Magret Link, Altenstadt

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