Kanonen, Kuchen, Kindersegen

Die Geschichte der eigenen Familie zu dokumentieren ist nicht immer einfach, ist man doch emotional stark involviert. Um so herausfordernder war es, die Lebensgeschichte meiner Schwiegereltern in einem Buch festzuhalten. Aufgewachsen in den 30er Jahren des letzten Jahrhundert durchlebten beide eine Kindheit im Bombenhagel, mussten Flucht, Verlust und Hunger verkraften, um sich langsam den Weg zum „normalen“ Lebensalltag zurück zu erobern.

Textauszug:

Gerhard

Die Uhrzeit meiner Geburt hat symbolischen Charakter, denn ich erblickte zwischen 14:00 und 15:00 Uhr das Licht der Welt – pünktlich zur Kaffeezeit. Kaffee und vor allem Kuchen sollten in meinem weiteren Leben eine bedeutende Rolle spielen.

Es war der 4. Februar 1930 in Berlin und – wie meine Mutter noch im hohen Alter von 89 Jahren betonte – ein Kaiserschnitt! Diese Operationen waren damals noch kritisch, deswegen hatte sich meine Mutter den Ärzten des jüdischen Krankenhauses anvertraut. Sie waren bekannt für ihre hervorragende Ausbildung. Nach zwei Fehlgeburten wollte sie kein Risiko eingehen.

Da war ich nun – drei Jahre vor der Machtergreifung Hitlers und weit entfernt von Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Judenverfolgung.

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Gerhard mit seiner Mutter Gertrud Anna Lina

Ich hatte es bestens getroffen, wenn man meine in mir wohnende Liebe zu süßen Sachen berücksichtigt. Mein Vater, Otto Albert Friedrich Paersch, war Konditormeister.
Vater hatte eine kleine Pralinenfabrikation in Berlin und Mutter betreute das angrenzende Konfitürengeschäft. Beide waren so engagiert, dass es zeitlich – entgegen des Familienbrauches – bei mir nur zu einem Vornamen reichte.
Meine Mutter, Gertrud Anna Lina, geboren am 16. Dezember 1904, stammte aus dem Hause Gürtler, zu welchem ich in meinem nun folgenden Leben eine innige Beziehung entwickeln sollte. Aber davon später…

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