Der Autor

image0029-aJurij A. Treguboff wurde 1913 in St. Petersburg geboren und starb 27.02.2000 in Frankfurt am Main. Er verbrachte seine Kindheit zunächst in der Provinz Wladimir und später in Moskau. Im Jahr 1926 fuhr seine Mutter auf Anraten eines Verwandten mit ihm nach Berlin. Ursprünglich wollte sie nach einem Jahr zum Vater zurückkehren, was ihr aufgrund der politischen Entwicklung Russlands jedoch nicht ratsam erschien. So wurde Jurij A. Treguboff wider Willen zum Emigranten.

Dem Unglück seines Vaterlandes wollte Jurij A. Treguboff jedoch nicht tatenlos gegenüber stehen und trat im Jahr 1934 in den NTS Bund russischer Solidaristen ein, eine Widerstandsorganisation gegen die stalinistische Diktatur. Geistige Basis des NTS war die als Idealo-Realismus bezeichnete Schule einiger im Jahr 1922 von den Sowjets ausgewiesener Philosophen, von denen N. A. Losskij und N. A. Berdjajew die bekanntesten sind. Dem klassenkämpferischen Marxismus, dessen Hauptkraft der Hass der Ausgebeuteten gegen ihre Ausbeuter war, stellte der NTS die Idee des Solidarismus entgegen, wonach beide Parteien durchaus friedlich miteinander auskommen können, wenn jede ihren materiellen Forderungen im Interesse der gesamten Nation Vernunftgrenzen setzt.

Im Herbst 1944 erhielt Jurij aufgrund des baltendeutschen Mädchennamens seiner Mutter die deutsche Staatsangehörigkeit mit dem Hinweis, er müsse jeden Tag mit seiner Einberufung zur Wehrmacht rechnen. Statt dessen trat er in die im Aufbau befindliche Russische Befreiungsarmee des Generals Wlassow (ROA) ein, der ein Russland ohne Stalin und ohne Hitler anstrebte. Unterstützung fand er in den Kreisen der deutschen Generäle um Graf von Stauffenberg, während die deutsche Reichsregierung und die nationalsozialistische Partei seinen Bestrebungen äußerst misstrauisch gegenüber standen. Von den 800.000 bereiten Soldaten der ROA konnten Ende 1944 lediglich 50.000 bis 70.000 Mann bewaffnet werden.

Nach Kriegsende geriet Jurij A. Treguboff in amerikanische Gefangenschaft, wurde von ihnen an die Tschechen ausgeliefert und konnte erst im September 1946 nach einem Grubenunglück, bei dem er 14 Stunden unter der Kohle lag, als Invalide nach West-Berlin zurückkehren, wo seine Mutter lebte. Er suchte Kontakte zu amerikanischen Militärs russischer Abstammung, um ihnen die Ideen des NTS nahe zu bringen und erweckte dadurch das Interesse der Sowjets.

Am 19. September 1947 wurde er an der Grenze zu Ost-Berlin von sowjetischen Sicherheitsorganen entführt, nach zweieinhalb Jahren Untersuchungshaft in der Moskauer Lubjanka zunächst zum Tode verurteilt, eine Woche später zu 25 Jahren Zwangsarbeit ?begnadigt?. Die Lager von Workuta und Dubrawlag bei Potma (Mordowien) folgten.

Als nach dem Tod Stalins Adenauer den Sowjets die Freilassung der deutschen Kriegsgefangenen abtrotzte, wurde Jurij A. Treguboff nach über acht Jahren im Oktober 1955 in die Freiheit entlassen und zog nach Frankfurt am Main.

Als Einlösung seines Versprechens gegenüber den in den Lagern Verbliebenen (?Ich werde eure Stimme sein!?) begann Jurij A. Treguboff sofort mit der Niederschrift seiner Erlebnisse, die 1957 unter dem Titel ?Acht Jahre in der Gewalt der Lubjanka? auf russisch im Exil veröffentlicht wurden. 1999 erschien die deutsche Übersetzung (hier in Auszügen veröffentlicht), und 2001 konnte dieses Buch auch seinen Landsleuten in Russland zugänglich gemacht werden. In den ihm nach der Haft geschenkten Lebensjahren schrieb er 19 Romane zur russischen Geschichte des 20. Jahrhunderts sowie zu aktuellen Themen unserer Zeit.

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