Heimtückische Krankheit

kochinke02‚Dass ich den Menschen wieder in die Augen schauen kann, verdanke ich meinem Genickbruch.“

Ludger Maria Kochinke spricht ruhig und bedächtig. Dabei umspielt ein Lächeln seine Mundwinkel. Er kennt die Wirkung dieses Satzes. Wie war das? Dass ich den Menschen wieder in die Augen schauen kann, verdanke ich meinem Genickbruch. Jeder andere Mensch stirbt an einem Genickbruch, oder?

“Überlebt habe ich aus zwei Gründen. Zum einen wegen meiner ausgeprägten Halsmuskulatur, die den Kopf auch ohne stützende Halswirbelsäule trägt, zum anderen, weil ich seit über 10 Jahren durch meine versteifte Wirbelsäule weder nicken noch den Kopf schütteln konnte.“

Ludger Maria Kochinke ist 52 Jahre alt und leidet an Morbus Bechterew, einer bis heute unheilbaren Krankheit, die vor allem die Wirbelsäule betrifft und zu einer knöchernen Einsteifung führen kann. Betroffene erkennt man häufig an ihrem gebeugten Gang.

Bemerkbar machte sich die Krankheit bei ihm schon während der Kindheit. Als er 13 Jahren alt ist, klagt er über Rückenschmerzen. Die erste Diagnose lautet Scheuermann, eine wachstumsbedingte Rundrückenbildung im Brustwirbelbereich. Die tatsächliche Krankheit, Morbus Bechterew, wird mit 18 Jahren diagnostiziert, als erste Versteifungen seiner Wirbelsäule auf den Röntgenbildern sichtbar werden. Die Krankheit ist heimtückisch und die späte Diagnose kein Einzelfall.

Die Schule wird zur Hölle. Ruhig auf einem Stuhl zu sitzen und das über mehrere Stunden, bereitet ihm unerträgliche Schmerzen. Er kann dem Unterricht nicht mehr folgen. Die Noten rutschen ab. Trotz einer überzähligen Fünf erhält er – dank einer verständnisvollen Lehrerin – die Mittlere Reife. Eine anschließende Kur verschafft Linderung und lässt ihn wieder Mut schöpfen. Er will was machen aus seinem Leben. Nicht untätig sein.

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