Der Schokoladenmohr

Konditormeister haben es schwer, besonders wenn sie Kinder haben. Aber es gibt ja sogenannte Laufställe, in die man die Kleinen für eine Weile deponieren kann. So weit die Theorie, denn sofern man als Kleiner geübt ist, kann man so einen Laufstall sehr wohl bewegen und schieben. Genau das tat ich in einem unbewachten Augenblick. Ich rückte und schob – immer in Richtung Überziehplatte, einem großen Eisentisch, der durch die Gasflamme erhitzt wurde, um die Schokolade zum Schmelzen zu bringen. Ein großer Holzlöffel lag daneben. Den galt es zu ergreifen.

Natürlich klappt so etwas nicht sofort, man muß sich schon strecken und recken, aber die Übungen machen sich bezahlt, wenn man erst mal den Stiel erwischt hat. Zugegeben, der bloße Holzlöffel wäre nicht so interessant gewesen, aber die wunderbar schwarze, warme Schokolade darin machte ihn zum begehrten Objekt. Damit konnte man sich getrost für eine Weile in die Ecke des Laufstalls zurückziehen.

Wenig später fand der Vater seinen Schokoladenmohr. Das Manöver, den Löffel zielgerecht zum Mund zu führen, war gründlich misslungen.
Gerhard aus Berlin (verstorben 2015)

Die Kommentare wurden geschlossen